Author: VS-NRW

Mit 90 Jahren gab er noch einen Band mit seinen gesammelten Liebesgedichten heraus – nun ist Erasmus drei Tag nach seinem 91. Geburtstag gestorben.

Wir verlieren einen Freund und Schriftstellerkollegen, der es sich bei seiner literarischen und gesellschaftspolitischen Arbeit nie leicht gemacht hat und er war ein überaus produktiver Autor. Seit 1979 veröffentlichte er Novellen, Romane, Theaterstücke, Hörspiele und Essays.
Zwischen 2001 und 2009 erschien sein Hauptwerk, die Tetralogie „Die Kinder des Sisyfos“. In dieser literarischen Chronologie entwirft Erasmus Schöfer ein vielschichtiges Bild der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung Westdeutschlands zwischen 1968 und 1989. Es geht vor allem um die Protest-bewegungen aus der Perspektive von jungen, kritischen, veränderungswilligen Menschen. Dafür erhielt er 2008 den Gustav-Regler-Preis der Stadt Merzig und des Saarländischen Rundfunks.
Erasmus war immer ein Kämpfer mit Worten, ein oft verzweifelter Antreiber, er sah sich nie als jemand, der seine Hoffnung auf Besserung der Lebenssituation für alle aufgab. So sagte er beispielsweise bei einer Rede, die er 2010 in Berlin hielt: „Die große Stille, die trotz der ungeheuerlichen Zumutungen der herrschenden Krisenverbrecher weiterhin im Land zu beobachten ist, muss nicht heißen, dass die Narkotisierung der Bevölkerung endgültig ist.“

Erasmus war eng mit dem VS verwoben. Seit 1970 gehörte er unserem Verband an, und immer war er aktiv, in NRW und in Köln, zeitweise auch als Mitglied des Bundesvorstandes. Seit 1980 war er zugleich Mitglied im PEN.

Was einen Schriftsteller während seiner Arbeit und im normalen Alltag umtreibt, das hat Erasmus Schöfer 2010 in seinem Buch „Der gläserne Dichter“ ( Dittrich Verlag, Berlin ) scharfsinnig und anschaulich beschrieben. Der von ihm gewährte private Einblick vervollständigt in schöner Weise das Bild von einem der politisch engagiertesten deutschen Autoren. Sein monumentales Lebens-werk, das wir bewundern, wird lange Strahlkraft und Gültigkeit behalten.


Volker W. Degener

Auf ein breites, vielgestaltiges literarisches Lebenswerk kann unser Wuppertaler Kollege Michael Zeller zurückblicken. Dafür wurde ihm jetzt der Hauptpreis zum Georg-Dehio-Buchpreis zuerkannt.

Der gebürtige Breslauer setzt sich seit Jahrzehnten als Schriftsteller mit dem östlichen Europa auseinander, insbesondere mit Polen und der Ukraine. In der Jurybegründung zu dem Buchpreis heißt es: „Insbesondere vor dem Hintergrund des russischen Krieges gegen die Ukraine sind seine Aufzeichnungen aus Charkiw ein Beispiel für einfühlsame Beobachtungen und eine abwägende Sprache, die einer komplexen Vergangenheit dieses Teils Europas wie auch der deutschen Verantwortung gegenüber dieser Region gerecht werden.“

Michael studierte Literatur, Philosophie und Klassische Archäologie und promovierte über Thomas Mann („Väter und Söhne“). 1981 habilitierte er sich über zeitgenössische deutsche Lyrik und arbeitete als Dozent für Literatur und als Literaturkritiker in der FAZ.

Im Wintersemester 2001/2002 gastierte er als „Artist in Residence“ in der Erfurter Universität. 2002 war er als deutschsprachiger Vertreter zum „International Writing Program“ der Universität von Iowa / USA eingeladen.

Seit 1982 ist Michael Zeller freier Schriftsteller. Er veröffentlichte mehrere Romane. Beispielsweise 1990 den Roman „Cafe ́ Europa“, der 1999 auch in polnischer Sprache herauskam. Er erhielt das „Internationale Schriftstellerstipendium“ der Robert-Bosch Stiftung und konnte damit ein ganzes Jahr in Krakau leben. Dort entstanden 2000 auch seine vielbeachteten „Krakauer Geschichten“ und später noch ein weiterer in Polen spielender Roman.

Als erster Gast aus dem Ausland weilte Michael Zeller im September 2019 in der neugegründeten „Literaturresidenz“ im ostukrainischen Charkiw und gestaltete das kulturelle Leben der Stadt mit. 2021 erschien sein Buch „Die Kastanien von Charkiw. Mosaik einer Stadt.“ Nicht nur dieses Werk, sondern auch zahlreiche Gedichte sind in ukrainischer Sprache erschienen.

Das Werk von Michael Zeller zeichnet sich durch Formenvielfalt und eine enorme Breite der Themen aus. Mit ausgeprägter Beobachtungsgabe beschreibt er Menschen, Städte und Ereignisse und schafft damit Bilder von beeindruckender atmosphärischer Dichte.

Den Georg-Dehio-Preis, der mit 10.000,- Euro dotiert ist, stiftet das Deutsche Kulturforum östliches Europa. Die Preisverleihung ist für den 6. Oktober in Berlin vorgesehen.

Mit großer Freude übermitteln wir Michael herzliche Glückwünsche zu seinem Lebenswerk, das mit dieser Auszeichnung keineswegs abgeschlossen ist. Wir wünschen ihm weitere publizistische Erfolge!

Volker W. Degener

Gänzlich unerwartet hat er die Bühne verlassen. Am 9. April ist der Lieder- macher, Musiker und Sänger Frank Baier im Alter von 79 Jahren in Duisburg gestorben. Von 1981 an lebte unser Kollege in einem hundert Jahre alten Arbeiterhaus in der Zechensiedlung Rhein-Preußen in Duisburg-Homberg. Für dessen Erhalt des historischen Ensembles hat er sich jahrelang als Mitglied einer Bürgerinitiative stimmgewaltig und mehrmals auch mit einem Hungerstreik eingesetzt.

Nach seinem Hochschulstudium arbeitete Frank als Ingenieur im Post- und Fernmeldedienst. Da war er auch schon als Liedermacher und Sänger bekannt, denn seit den 1960er Jahren nahm er an den legendären Festivals auf der Burg Waldeck und den Essener Songtagen teil. Er vertonte Texte des Bochumer Bergmanns und Arbeiterdichters Heinrich Kämpchen und begann eigene Freiheitslieder zu schreiben und öffentlich zu präsentieren.

In den 1970er Jahren erschienen dann erstmals Baiers Lieder auf Langspiel- platten. Sie zeichnen sich durch einen kraftvollen sozialkritischen Ton aus. Es geht um die Lebensbedingungen der Menschen an der Basis, um die Solidarität mit den Schwachen, jahrelang auch um den Kampf gegen die Atomkraft.

Als Liedermacher nutzte er die Texte der Ruhrgebietsautoren Josef Reding, Liselotte Rauner, Richard Limpert, Josef Büscher und Hugo Ernst Käufer. Dabei setzte er seine geliebte Ukulele ein, aber auch sein Bandoneon, die Gitarre und das sogenannte Schifferklavier, mehrmals kongenial begleitet und unterstützt von der Sängerin Fasia Jansen. Für seine „Lieder der Märzrevolution“ erhielt er 2006 den Preis der deutschen Schallplattenkritik.

Seine Musik führte ihn als gefeierter „Pottpoet“ durch ganz Deutschland und auch ins Ausland – bis nach Madagaskar, wo eine Ukulele inzwischen „Frankbaier“ heißt.
Viele Materialien hat Frank Baier gesammelt und neu sortiert. 2012 beispielsweise stellte er mit dem Musikjournalisten Jochen Wiegandt einen 463 Seiten umfassenden Sammelband „Glück auf! – Liederbuch Ruhr“ zusammen, ein Standardwerk der sozialpolitischen Songkultur.

Trotz seines kritischen Engagements ist er immer ein fröhlicher, kontaktfreu- diger Mensch geblieben, der an den Fortschritt der Gesellschaft glaubte, der sich um das Liedgut des Ruhrgebiets große Verdienste erarbeitet hat. Er hinterlässt ein großes Text- und Musikarchiv. Sein Haus ist voll davon.

Mit Frank Baier verlieren wir einen überaus kreativen Freund. Seine Songs sind zum Glück weiterhin auf YouTube, Spotify, Deezer zu hören. Seine Stimme wird uns überallhin begleiten.

Volker W. Degener

Matthias Bronisch wurde 1937 in Stettin geboren, floh 1945 und lebte zunächst in der Nähe von Osnabrück und dann in Petershagen an der Weser. Er studierte Kunstgeschichte, Archäologie und Literaturwissenschaft in Münster und Hamburg. Danach war er als Lektor in Novi Sad und Belgrad tätig. Ab 1966 arbeitete er als Lehrer in Bremen und war ab 1971 wieder als Lektor an der Universität Skopje tätig. Von 1976 bis 2000 arbeitete er wieder als Lehrer in Bielefeld. Matthias Bronisch ist seit 1978 Mitglied im VS und im P.E.N.

Er veröffentlichte nicht nur Übersetzungen aus dem Makedonischen, sondern auch eigene Lyrik und Prosa in Anthologien und Zeitschriften, die wiederum ins Englische, Französische, Rumänische, Albanische und Makedonische übersetzt wurden.

1978 erhielt er den Grigor-Prlicev-Preis.

Hier eine Auswahl seiner Einzelwerke:

  • Mensch und Erkenntnis. Foto-Text-Mappe. Fotos von Karl-Martin Holzhäuser. Bielefeld 1984;
  • Der Lärm der Straße dringt herein. Kurzprosa. Bielefeld, Pendragon Verlag 1989;
  • Apovesti despre doua pietre, zweisprachige Ausgabe der Gedichte (rumänisch-deutsch), Bukarest 2006;
  • Freddy geht ins Theater, Kinderbuch, novum eco Verlag, 2010;
  • Usque ad Huculvi. Stadtgeschichte einmal anders. Petershagen 2010;
  • Von Bylanuelde über Biliuelde bis Bielefeld, 17 Moritaten, Norderstedt 2013.


Dirk von Kügelgen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das neue „Auf geht’s“-Stipendium des Landes NRW kann ab heute beantragt werden.

Wer kein VG Wort-Stipendium (o.ä.) bekommen hat, kann 6000 Euro beantragen.
Wer das VG Wort Stipendium bekommen hat, kann 3000 Euro beantragen.

Noch ein paar Tipps:

  • Es werden die gleichen Angaben gebraucht wie für die vorherigen Stipendien, also am besten alles vorher raussuchen.
  • Auch die Projektbeschreibung am besten vorher verfassen, max. 1500 Zeichen
  • Bei der Steuernummer muss man eine 5 davor setzen, sonst erkennt das System die Nummer nicht.
  • Falls es am Ende heißt, dass die Namen von Antragsteller und Kontoinhaber nicht gleich sind: Manchmal hat man einfach ein Leerzeichen nach seinem Namen eingetippt, dann ist es schon passiert.

Viel Erfolg!

Gisela Pauly wurde 1947 In Gronau im Münsterland geboren und wuchs in Münster auf. Ihr Berufsleben begann sie als Lehrerin an einer Berufsschule, 1993 machte sie sich als freie Autorin selbständig. Gisela Pauly gehört zu den Autorinnen der Telenovela Sturm der Liebe, die von der Bavaria für die ARD produziert wird. Parallel dazu schrieb sie Kurzgeschichten, veröffentlichte in Anthologien und arbeitete für den Hörfunk. Sehr populär sind ihre 15 Cosy-Krimis der Serie Mama Carlotta, die auf Sylt spielt. Der erste, Die Tote im Watt, erschien 2007 bei Piper, der vorerst letzte, Lachmöwe, 2021. Gisela Pauly entwickelte noch weitere Roman-Serien und begann 2018 mit der Kinderbuchreihe Die Leuchtturm-Haie.

Von den »Mörderischen Schwestern« wurde sie 2012 für ein Jahr zur Präsidentin gewählt. Als Hörbuch-Sprecherin ist Gisela Pauly außerdem die Stimme von Rasputin, der Leseratte.

An Auszeichnungen bekam sie den Hafiz-Lyrik-Preis der Stadt Düsseldorf, den Satire-Preis der Stadt Boppard, den Shortstory-Preis der Stadt Leverkusen, 2004 die goldene Kamera des SWR für den Kurzfilm Déjà Vu zusammen mit dem Fernsehregisseur Armin Ulrich und 2018 den rtv-Literaturpreis.

Die Liste ihrer Veröffentlichungen ist lang, darum hier nur eine Auswahl:

  • Mir langt’s! – Eine Lehrerin steigt aus. Rasch & Röhring, 1994;
  • Die Klassefrau. Heyne Verlag, 1997;
  • Endlich Mama, Tomus, 2001;
  • Schlafende Hunde, Emons, 2003;
  • Flammen im Sand, Piper, 2010;
  • Die Kurärztin von Sylt, 2014;
  • Wellenbrecher, Piper, 2018;
  • In der Kinderbuchreihe, die Leuchtturm-Haie ist zuletzt erschienen: Käpt’n Matjes und der verschollene Schatz, 2019;
  • In der Romy-Schell-Reihe erschien zuletzt 2006 Doppelt gemordet hält besser und in der Siena-Reihe 2021 Lügen haben lange Ohren.

Dirk von Kügelgen

Fahimeh Farsaie wurde 1952 in Teheran geboren, studierte Rechtswissenschaften und arbeitete ab 1970 als Redakteurin und Film- und Literaturkritikerin für verschiedene iranische Zeitungen. Dabei war sie auch als Auslandskorrespondentin in London tätig.

Wegen ihrer Vorliebe für kritisch-engagierte Kunst und Literatur war sie unter dem Schah-Regime 18 Monate im Gefängnis. Unter dem Khomeini-Regime wurde sie wegen einer Erzählung gegen den Krieg verfolgt und musste fliehen. Seit 1993 lebt sie in Deutschland im Köln-Bonner Raum und arbeitet als freie Journalistin unter anderem für die taz, den Freitag, die Deutsche Welle und den Saarländischen Rundfunk. Darüber hinaus ist sie Unicef-Botschafterin und engagiert sich ehrenamtlich für Flüchtlinge.
2012 wurde ihr Theaterstück Das giftige Grün am Westfälischen Landestheater uraufgeführt, 2004 schrieb sie das Drehbuch zu Asche der Liebe.

Sie erhielt den iranischen Fernsehpreis Tamascha für junge Autoren, den Barans-Fond-Preis für die Literatur im Exil und, 2019, die Literaturförderung Kunstsalon Deutschland, ebenfalls 2019 das Literaturstipendium der Stadt Köln mit einem dreimonatigen Aufenthalt in Istanbul, ferner das Heinrich-Böll-Fonds-Stipendium und die Drehbuchförderung des Filmbüros NRW.

Fahimeh Farsaie ist Mitglied des Internationalen P.E.N.-Zentrums

Von ihr erschienen sind:

  • Vergiftete Zeit, 1991;
  • Die Flucht und andere Erzählungen, 1994;· Hüte dich vor den Männern mein Sohn, 1998;
  • Die gläserne Heimat, 1989 (auch in englischer Sprache) Neuauflagen 2016, 2018;
  • Nassrins öst-westliche Nacht, 2018;
  • Eines Dienstags beschloss meine Mutter Deutsche zu werden, 2006, Neuauflagen 2016, 2018.

Dirk von Kügelgen

Wenn er Menschen mochte, hat er sie bei Begegnungen gerne hochgehoben. Das tat er so lange, bis es ihm der Arzt verbot; da war Rolfrafael Schröer bereits in seinen 80ern. Und nicht nur die Schreibenden, Lesenden und Vermittelnden – er hat die ganze Literatur hochgehoben.

Vor über 40 Jahren hatte er die bis dahin von niemandem gedachte Idee, eine Einrichtung zu schaffen, die auf unterschiedlichste Weisen Sprachkunst an den Mann und an die Frau bringen sollte – ob mit Hilfe eines Literaturtelefons oder auf einem Poetenwanderweg. Diese Einrichtung war das Literaturbüro NRW, das er gründete und bis 1989 leitete, gemeinsam mit Lore Schaumann, die zahllose hoffnungsvolle Nachwuchsautorinnen und -autoren bei ihren Manuskripten beriet. Dieses erste Literaturbüro überhaupt diente schnell als Vorbild, allein an Rhein und Ruhr entstanden bald vier weitere; bis heute sind sie für die Vermittlung von Literatur unverzichtbar.

Der schnelle und nachhaltige Erfolg des Literaturbüros NRW hatte sehr stark mit der Person seines Erfinders und Leiters zu tun. Am 4. Dezember 1928 in Dresden geboren, verbrachte Rolfrafael Schröer seine Kindheit in Meißen. Als 16jähriger musste er in den letzten Kriegstagen noch Soldat werden; er sah, wie seine Geburtsstadt zerstört wurde. Mit 17 wurde er von den Sowjets ins Zuchthaus Bautzen gesperrt. Nach seiner Freilassung war er, der als Kind davon geträumt hatte, Tänzer zu werden, auf einem anderen Gebiet künstlerisch aktiv: Er entwarf Schmuck und wurde Graveur. Nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik arbeitete der vielfach Begabte und Interessierte u.a. als Erzieher in Bethel.

Aber schon in den 60er Jahren erschienen auch erste literarische Texte von ihm. Rolfrafael Schröer war niemand, der gerne im stillen Kämmerlein blieb – er liebte Gesellschaft und Auftritte, ob als Pantomime, Schauspieler oder Vortragender auf Lesebühnen. Neben Lyrik publizierte er Prosa, Dramen und Hörspiele, insgesamt rund 20 Bücher, darunter „Schaufelschnulzen für Reibeisenstimme“ und „Zeitalter der Ameise“.

Literatur war für ihn eine Reaktion auf die Vielfalt des Lebens, sie bot kein kategorisches Ja oder Nein, sondern bestand aus Farben, Klängen, skurrilen Abwegen, aus Menschen in ihrer ganzen Leiblichkeit, Traurigkeit, Gemeinheit, Prächtigkeit und Heiterkeit. Darauf stieß er gerne an, mit Künstlerkolleginnen und -kollegen, mit dem Publikum und bevorzugt mit Grappa (weshalb er mitunter auch Rolfrafael genannt wurde).

Seine vielfältigen, hochfliegenden Ideen hat er erstaunlich oft in die Tat umgesetzt – ob als Leiter des Literaturbüros oder ab 1989 als Gründer und Leiter des Künstlerdorfs Schöppingen im Münsterland. Wer hätte die jeweilige Vielfalt an Talenten besser zusammenbringen und voranbringen könne als Rolfrafael Schröer!
Seit 1997, in einem Alter, in dem andere ruhiger werden, war er mit seiner Frau Sigrun Rost als Rezitator im Dienste der Literatur unterwegs, er wies temperamentvoll und eindringlich das Publikum auf andere AutorInnen hin, bekannte wie unbekannte.

Für sein literarisches und literaturvermittelndes Wirken wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Bundesverdienstkreuz am Bande und zuletzt mit der Trude-Droste-Gabe der Stadt Düsseldorf. Am 27. Januar ist er, wie jetzt von seiner Familie mitgeteilt wurde, mit 93 Jahren in Münster gestorben.

Die Literatur in diesem Land hat dem umtriebigen, ideenreichen, humorvollen Rolfrafael Schröer sehr viel zu verdanken. Wir werden nicht mehr seinesgleichen sehen.

(Der Verfasser dieses Nachrufs ist seit 1998 Nachfolger von Rolfrafael Schröer als Leiter des Literaturbüros NRW)

Im hohen Alter von 91 Jahren ist unser Kollege Klas Ewert Everwyn am 16. Januar in Monheim verstorben, wo er seit 2003 lebte.

Geboren wurde Klas in Köln. Mit 14 Jahren musste er kurz vor Ende des Weltkrieges Soldat werden. Anschließend wurde er ins Oberbergische evakuiert, nach Waldbröl. Hier entdeckte er seine Lust am Schreiben, am Recherchieren historischer Ereignisse, um sie später in spannende Bücher einfließen zu lassen. Seinen vorübergehenden Hauptberuf fand er allerdings zunächst in der öffentlichen Verwaltung in Düsseldorf.

Ab 1960 gab es die ersten größeren Publikationen, bei denen das Oberbergische in vielfältiger Weise eine Rolle spielt. 1981 dann als Freiberufler der Sprung ins „kalte Wasser“, nachdem Klas als junger Autor erste literarische Erfolge feiern konnte. 1966 beispielsweise erhielt er den Literatur-Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. 1986 wurde ihm der Heinrich-Wolgast-Preis zuerkannt. Im gleichen Jahr bekam er den Deutschen Literaturpreis für sein Sachbuch „Für fremde Kaiser und kein Vaterland“, die höchste Auszeichnung für deutschsprachige Jugendbuchautoren.

Es entstanden zahlreiche Erzählungen, Romane und Hörspiele. In seinen Werken hat Klas immer wieder Abhängigkeiten, Gewaltstrukturen und Korruptionen thematisiert – ohne erhobenen Zeigefinger.

Der einfache, der von seinem Arbeitsleben gezeichnete Mensch, hat Klas Ewert Everwyn jederzeit beschäftigt. Deshalb gehörte er wie selbstverständlich zu der legendären „Dortmunder Gruppe 61“ um Max von der Grün. In 2000 produzierte der WDR zu seinem 70. Geburtstag einen Klas-Ewert-Everwyn-Abend mit dem Titel „Vom Träumen der Kleinen Leute“.

Zweifellos war Klas Ewert Everwyn ein ganz besonderer, impulsiver Künstler, ausgestattet mit einem ausgeprägten Eigensinn, mit der Lust am Provozieren, gepaart mit einem Schuss rheinischem Humor. Seine gesellschaftskritische Einstellung hat ihn stets begleitet, auch in der Zeit seines Engagements im VS, als Vorstandmitglied, Delegierter, Sprecher und Kommissionsmitglied. Sein Urteil, sein Rat war gefragt, seine verbalen Attacken auch hin und wieder gefürchtet.

Sein Lebensende hätte er bestimmt mit einem bissigen Kommentar versehen.

Volker W. Degener

Viel zu früh, im Alter von nur 57 Jahren, hat uns unser Freund und Schriftstellerkollege Dietmar Damwerth am 23. Dezember verlassen. Er war der Dreh- und Angelpunkt, die Seele unseres Verbandes – zuverlässig, verständnisvoll, hilfsbereit, uneitel. So haben wir ihn seit 1994 als unseren Geschäftsführer erlebt.

Dietmar wurde 1964 in Münster geboren. Er studierte Geschichte und Germanistik, was ihn auch befähigte, sich um das umfangreiche Archiv des VS in Nordrhein-Westfalen zu kümmern. Zugleich setzte er die Arbeit seines Vaters Wilhelm Damwerth fort, der in seinen Büchern aus der Welt der Seefahrt erzählte und als Schriftsteller von 1956 an bis 1988 ehrenamtlicher Geschäfts- führer unseres Verbandes war, von 1964 bis 1971 auch noch Bundesgeschäftsführer.

Dietmar lebte in Münster und auf der von ihm sehr geliebten Nordseeinsel Langeoog. Er war als Autor, Lektor und Verleger tätig. Im Würzburger Stütz Verlag veröffentlichte er Bildbände, so u. a. über Lübeck, das Emsland, Sauerland, Münsterland. Vielen bekannt machte ihn die lange Reihe, die sich „Kleine Bettlektüre“ nannte. Sie veranlasste die Leserinnen und Leser zum Schmunzeln, beispielsweise über die Pfalz, das Erzgebirge, die Lüneburger Heide, den Harz, über Paderborn oder Bochum.

Einer besonderen Aufgabe widmete er sich mit seinem im Damwerth-Verlag erschienen Werk „Verfemte Literatur auf dem Scheiterhaufen – Die Bücherverbrennung 1933“.

Dietmar Damwerth war ein vielseitiger, überaus aktiver Schriftsteller, ein stets freundlicher Organisator und Gesprächspartner, ein Könner seines Fachs, der nun eine nicht zu schließende Lücke in unserem Verband hinterlässt. Wir alle sind dankbar, einen so aufrechten Mann gekannt und erlebt zu haben. Mit ihm geht nach 80 Jahren eine einzigartige Ära der Familie Damwerth zu Ende, die sich in unvergleichlicher Weise um das Wohlergehen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern gekümmert hat.

Wir trauern um Dietmar. Er fehlt uns.

Volker W. Degener im Namen des Landesvorstandes in NRW