Author: VS-NRW

Laudatio von Werner Rügemer

Werte Anwesende, Lieber Erasmus,

wir freuen uns, dass wir mit Dir feiern dürfen, Dein großes sysifikalisches Werk ebenso wie auch dein langes Leben. Weil da so unendlich vieles zu sagen wäre, will ich es kurz machen, denn auch in unserem langen, wenn auch bisher nicht so langen Leben wie Deinem ist unsere Zeit kurz, auch heute in diesem schönen Raum der Kölner Arbeiterfotografie.

Wenn der Nobelpreis etwas Gutes wäre, dann würde ich ihn Dir heute verleihen. Du hättest ihn verdient. Aber er ist nichts Gutes, sondern etwas Schlechtes, er ist ein ideologisches, auch sehr raffiniertes Element des US-geführten westlichen Kapitalismus. Ein weltberühmter Schriftsteller, als er den Nobelpreis bekam, 1957 – das war die Zeit, als Du nach dem Philosophie-Studium in Berlin als Industriearbeiter nach Köln gingst – , also dieser weltberühmte Schriftsteller erklärte damals zur Preisverleihung: „Wir Schriftsteller des 20. Jahrhunderts werden nie mehr allein sein. Wir werden Teil des Volkes sein. Und wir werden uns niemals wieder unterordnen, wir werden frei sein in neuer Form – ich meine als Freischärler“.

Dieser Schriftsteller hieß Albert Camus, er bekam den Nobelpreis und war und ist weltberühmt. Er hat den Nobelpreis verdient, und zwar den schlechten. Dabei war Camus ein guter und tapferer Mensch, und er hatte sich in Frankreich am Widerstand gegen die faschistische Besetzung beteiligt, und er war ein sehr guter Schriftsteller. Camus hat auch eine sisyfisikalisches Buch geschrieben: „L’ homme révolté“, Der Mensch in der Revolte. Das wurde in viele Sprachen übersetzt, auch in die deutsche. Am Ende hatte Camus geschrieben, und das hat mich damals als suchenden jungen Menschen in der christlich lackierten, von vielfältigen Missbräuchen strotzenden Adenauer-Republik, tief bewegt: „Wir müssen uns Sisyphus als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

Aber: Müssen wir uns Sisyphus wirklich als glücklichen Menschen vorstellen? Erasmus, Du hast es uns wirklichkeits- und kapitalismusnäher literarisch dargelegt, zum Beispiel in Deiner Tetralogie „Die Kinder des Sisyfos“: Ja und viel Nein. Viel nein, weil Erasmus und seine Helden nicht nur Freischärler sind, einsame Kämpfer, und nicht einfach irgendwie Teil des allgemeinen „Volkes“, wie Camus ankündigte, sondern vielfach organisierte Kämpfer und Kämpferinnen, Mitglieder von Gewerkschaften, Bürgerinitiativen, auch mal zum Beispiel kommunistischer Parteien. Sie können scheitern, politisch, auch persönlich in ihren Beziehungen und sie sind dann todunglücklich, und das kann lange dauern. Und sie können auch getötet werden wie die junge griechische Kommunistin Sotiria, die Du, Erasmus in dem Roman „Tod in Athen“ dargestellt hast, und vorher die antifaschistischen Widerstandskämpfer in Griechenland, getötet von US-Napalm-Bomben und US-Sturzkampffliegern im angeblichen Bürgerkrieg. Und dann ist es aus mit dem Diktum des Freischärlers Camus, dass Sisyphus, der Einsame Steinebeweger, ein glücklicher Mensch sei. Aber dafür gibt es den Nobelpreis.

Erasmus, Du warst nicht nur mal für drei Jahre zum Arbeiten in die Industrie gegangen. Mit dem Werkkreis Literatur der Arbeitswelt, 1969 gegründet, organisiertest Du mit anderen Gleichgesinnten die bis dahin schlummernden, verdrängten, abgetöteten, auch durch Nobel- und viele andere Literaturpreise überspielten Fähigkeiten der abhängig Beschäftigten, ihre Arbeits- und Lebensverhältnisse selbst darzustellen, und zwar nicht kurz und grob so mal hingesagt in einem gnädig gewährten Fernseh-Interview, sondern in literarischer Form. Erasmus, Du verbrüdertest und verschwestertest Dich nicht, wie Camus es wollte, irgendwie mit „dem Volk“, sondern mit dem unterdrückten, ausgebeuteten und dann auch antikapitalistisch widerständigen Teil des Volkes. Und du bliebst kein einsamer Freischärler, sondern du wurdest Organisator, aktiver Teil von Organisationen und zahlreichen Initiativen, etwa für den Frieden und die Umwelt, und eben für die Literatur der Arbeitswelt.

Dass der abhängig arbeitende Mensch ein gebildeter sei, kulturell fähig auf der Höhe und auch in der Tiefe der Zeit, damit auch in organisierter und literarischer Form sich Freiheiten und vielleicht auch einmal die ganze Freiheit verschaffe – diese im Kaiserreich, dann vor allem im Faschismus und auch in der dumpf-bürgerlich-christlichen Adenauer-Republik verhinderte Entfaltung der Persönlichkeit hatte, oh nur scheinbares Wunder, eine große Resonanz: der Werkkreis organisierte 50 Werkstätten, 100 Sammelbände, Lesungen in Betrieben, Gewerkschaftssälen und Schulen, internationale Kontakte.

In deiner folgenden Tetralogie „Die Kinder Sisyfos“ setztest Du, Erasmus, dies in Romanform fort, eingebunden in wichtige Widerstandsbewegungen von Arbeitern und anderen Aktivisten in der Bundesrepublik Deutschland. Das ist Teil des wichtigsten Teils der Geschichte dieses Landes und Staates, nämlich dass demokratischer gemeinsamer Widerstand geleistet wurde. Und dies hast Du literarisch gestaltet, festgehalten auch für die anderen gegenwärtigen ZeitgenossInnen und jetzige jüngere und künftige Generationen.

Doch das literarisch-politische Erwachen des schlummernden Widerstands und der schlummernden Fähigkeiten der abhängig Beschäftigten wurde von denen bekämpft, gegen die sich dieser Widerstand richtete. Eine krächzende aber vielbeachtete Stimme war die des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki: Er dekretierte in der „Zeitung für Deutschland“, der Unternehmer- und Akademiker-Postille FAZ: „Wer nicht schreiben kann, geht zum Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“.

Ein kleines Puzzlestück dieses Niedermachens, das viele, auch sogenannte „gebildete“ Formen annahm, habe ich zusammen mit Dir, Erasmus, selbst erlebt. 1996 hatte der WDR unser gemeinsames Radio-Feature „Dreckwässer. Bericht aus dem Unterleib der Städte“ gesendet. Wir schilderten die giftigen Einleitungen aus den Unternehmen in die öffentliche Kanalisation und die geringe Klärleistung der Klärwerke und die Vergiftung des Rheins, und die Vergiftung der Atmosphäre durch das hochgiftige Gas Methan, das aus dem Klärschlamm des Klärwerks wie in Köln-Stammheim aufsteigt, viel giftiger als das viel mehr beachtete CO2.

Die damalige Chefredakteurin des Kölner Stadt-Anzeigers hatte die Sendung gehört. Sie fand das Thema apart und bat uns, für die Wochenendbeilage auf zwei Zeitungsseiten dazu einen hübschen Text zu verfassen. Wir schrieben den Text, lieferten ihn ab. Aber ohne Rücksprache wurde er mehrere Wochen später veröffentlicht, aber an 85 Stellen umgeschrieben, verharmlost, gekürzt, ergänzt, verfälscht – sozusagen hochprofessionell. Wir verklagten den Stadt-Anstreicher, und dessen Geschäftsführer wollte uns außergerichtlich ein paar tausend DM zahlen, wenn wir darüber Schweigen bewahrten. Wir hielten an unserer Klage fest und gewannen. Wir bekamen vom Gericht schließlich 10.000 DM Schadenersatz wegen Urkundenfälschung und Rufschädigung, aber weder der Kölner Stadt-Anstreicher noch irgendeine andere Zeitung des komplizenhaften Medien- und Literaturbetriebs und auch nicht die FAZ haben über dieses in Deutschland erstmalige Urteil berichtet. Der Redakteur, der die Textfälschungen vorgenommen hatte, stieg danach übrigens mit erhöhtem Gehalt in die oberen Regionen dieser Art Medienbetriebs auf, nämlich in die Redaktion des überregionalen Leitmediums Spiegel.

Der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt wurde sanft, aber bestimmt nach oder trotz oder eben wegen seines Erfolgs aus der Öffentlichkeit und aus dem literarischen Leben verbannt, er verschwand. Es beherrschen die Nobel- und anderen Preisträger und das FAZ- und ZEIT- undsoweiter Feuilleton das Feld, die abhängig Beschäftigten sind nicht nur literarisch, sondern auch politisch wieder zum Verstummen gebracht und politisch teilweise nach ganz rechts abgedriftet.

Eigentlich sollten die Erkenntnisse und Impulse von 1968 in eine Revolution münden. Das wäre gut gewesen, wie wir heute wieder erfahren, angesichts der neu geschürten Aufrüstung und der zunehmenden finanziellen wie kulturellen Verarmung der abhängig Beschäftigten.

Erasmus, Du hast realistisch-literarischer Weise den Widerstand des Sisyfos gezeigt, der in den Bundesrepublik möglich war, mehr als jeder andere Schriftsteller. Dies ist ein unschätzbares und bis heute nicht annähernd so breit geschätztes Verdienst, wie es angemessen und nötig wäre.

Wir sind hier aber trotzdem in einem dieser doch möglichen sisyfisikalischen Glücksmomente versammelt. Darin überreiche ich Dir, Erasmus, den noch nicht geschaffenen Preis, der anders heißen wird als der falsche, der einsamen Freischärlern – gelegentlich – überreicht wird wie zuletzt dem US-Sänger Bob Dylan, der sich in ähnlichen Bewegungen bewegte wie Du, aber sich als einsamer Freischärler pflegte und als solcher hochindustriell gepflegt wurde und wird und den Kapitalismus nicht zu kritisieren wagte. Und ich verbinde diese alternative Verleihung mit der Hoffnung, die in dem von Dir dargestellten Widerstand schlummernd angelegt ist, nämlich dass aus dem Widerstand die not-wendige Revolution werde, also die „wesentliche Veränderung“. Danke Erasmus!

Literatur in NRW ohne ihn – nicht vorstellbar.
VS NRW ohne ihn – nicht denkbar.
Literaturförderung in NRW ohne ihn – vermutlich oft schlicht nicht existent.

Die Rede ist von Volker W. Degener. Über 20 Jahre Landesvorsitzender des VS NRW, bis heute als Beiratsmitglied im Vorstand und eine absolut unverzichtbare Informationsquelle für alles, was in NRW mit Literatur zu tun hat. Denn wohl kaum jemand hat die Literaturszene in NRW derart mit geprägt, gestaltet und vor allem: initiiert wie er.
Dass der VS NRW seit 1985 einen Sitz im WDR-Rundfunkrat hat, dass er ebenso in der Landesmedienanstalt NRW vertreten ist – sein Einsatz machte es möglich.
Der Literaturpreis Ruhr, der Kinderbuchpreis NRW, die Hörspielförderung der Film und Medien Stiftung NRW – Ideen und Realisierungen dieser so wichtigen Literaturförderungen wurden, teils in Kooperation mit anderen, federführend von ihm entwickelt.
Er gründete 1998 die Liselotte-Rauner-Stiftung, war Mitbegründer des LiteraturRates NRW und wirkte bei der Gründung der Literaturbüros in Gladbeck, Unna, Detmold und Bonn mit.
Seine zahlreichen Jury- und Kommissionsmitgliedschaften sind kaum aufzuzählen, stellvertretend seien hier genannt die über 20jährige Mitgliedschaft in der Jury des Landes NRW zur Vergabe von Literatur-Arbeitsstipendien, der Literaturpreis Ruhr, das Vorschlagsrecht für den Förderpreis Junge Künstler in NRW und die Auswahlkommission der Künstlerhilfe.
Bei all dem, und es ist tatsächlich noch viel mehr, als hier Platz finden kann, bleibt es normalsterblichen Autor*innen ein absolutes Rätsel, dass er – tatsächlich – noch Zeit zum Schreiben gefunden hat. Krimi, Aphorismen, Jugendbuch, Kinderbuch und als Herausgeber: Mehr als 30 Bücher sind im Laufe der Jahre erschienen, teilweise nach vielen Jahren in einer Neuauflage, einfach weil sie immer noch aktuell sind, so z. B. das Jugendbuch “Geht´s uns was an?”
Als Motto über diesen Text passt hervorragend der Titel eines seiner Krimis. Vielleicht, weil jede Zusammenarbeit mit ihm immer hochinteressant, spannend und im besten Sinne bildend ist. Und auch noch Spaß macht, das muss unbedingt mit erwähnt werden.
Vor allem aber, weil Volker W. Degener in der ganzen Literaturszene NRW genau das ist:
“Ein besonderes Kaliber”.

Sabine Lipan

Herzliche Einladung zu den vier Lesungen von Autor*innen mit multikulturellen Wurzeln des VS-NRW. Diese finden jeweils am 09., 15., 17. und 22. Juni statt (siehe dazu den Flyer als PDF).
Die erste Lesung am Mittwoch, den 09. Juni, Beginn um 19 Uhr mit Frau Dr. Eva Weissweiler als Moderatorin und den Autorinnen Andrea Karimé und Irma Shiolashvili wird nicht präsenziell, sondern nur per Zoom übertragen. Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind.

Hier ist der Link:

Thema: Lesung vom 09. Juni 2021: Andrea Karimé und Irma Shiolashvili unter der Moderation von Dr. Eva Weissweiler
Uhrzeit: 9.Juni.2021 18:30 Amsterdam, Berlin, Rom, Stockholm, Wien

Zoom-Meeting beitreten
https://us02web.zoom.us/j/8462037410?pwd=aVpNTUJ5MDg3LzA0cXV5S0w2VXhnUT09

Meeting-ID: 846 203 7410
Kenncode: 4aZXF0
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+19292056099,,8462037410#,,,,874901# Vereinigte Staaten (New York)


Einwahl nach aktuellem Standort
+1 669 900 6833 Vereinigte Staaten (San Jose)
+1 929 205 6099 Vereinigte Staaten (New York)
+1 253 215 8782 Vereinigte Staaten (Tacoma)
+1 301 715 8592 Vereinigte Staaten (Washington DC)
+1 312 626 6799 Vereinigte Staaten (Chicago)
+1 346 248 7799 Vereinigte Staaten (Houston)
Meeting-ID: 846 203 7410
Kenncode: 874901
Ortseinwahl suchen: https://us02web.zoom.us/u/kbOZP4N0fC

Welch eine Lebensleistung! Nach mehr als 60 Jahren im Literaturbetrieb begeht unser Kollege Erasmus Schöfer am 4. Juni seinen 90. Geburtstag. Ein schöner Anlass, an diesem Tag einen Film über ihn in das Projekt „Literatur in Köln“ einzustellen – https://literaturinkoeln.de/
1931 in Altlandsberg bei Berlin geboren, ging Schöfer in Berlin zur Schule und studierte dann in Berlin, Köln, Bonn und Freiburg i. Br. Germanistik, Sprach-wissenschaften und Philosophie. Er promovierte über die Sprache Martin Heideggers.
Immer schon meldete sich Erasmus Schöfer zu gesellschaftspolitischen Themen zu Wort, mit gründlich recherchierten Fakten und in klarer Sprache. 1969 gehörte er zu den Mitbegründern des „Werkkreises Literatur der Arbeitswelt“, dessen Sprecher er bis 1973 war. Zahlreiche Veröffentlichungen „schreibender Arbeiter“ wurden von ihm betreut.
Seit 1970 ist Erasmus Schöfer in Köln zuhause. Bis auf den heutigen Tag macht er sich von dort aus für eine nachhaltige Demokratisierung der deutschen Gesellschaft stark, mehr und mehr auch gegen die Eroberungsstrategien rechtsextremer Feinde der Demokratie. Er findet literarische Antworten auf soziale und politische Fragen, die ihn bedrängen und immer wieder zum Schreiben antreiben.
Sein vielseitiges literarisches Werk umfasst Essays, Hörspiele, Gedichte, Erzählungen und Romane. Zwischen 2001 und 2008 zeichnete er in vier vielbeachteten Romanen unter dem Motto „Die Kinder des Sisyfos“ das Leben junger Menschen in den Jahren 1968 bis 1989 nach, das bestimmt war von Aufbruch, Protest und Selbstzweifeln. Keine Autorin, kein Autor hat etwas Vergleichbares über diese Zeit geschaffen. Ein grandioses Werk, ein historisches Opus magnum! Dafür wurde ihm 2008 der Gustav-Regler-Preis verliehen.
90 Jahre – und seine Schreiblust ist keineswegs versiegt. 2020 erschien im Hinblick auf seinen anstehenden Geburtstag eine Gedichtsammlung von Erasmus Schöfer, die nicht nur die andere Seite der Sisyfus-Generation aufleben lässt, sondern auch die tiefen, gefühlvollen Wahrnehmungen des Autors: „Sisyfos Lust. Lauter ewige Lieben“. Man könnte die versammelten Gedichte als eine überaus gelungene Abrundung seines Werks bezeichnen.
Unsere guten Wünsche, zum Geburtstag und über diesen Feiertag weit hinaus, gehen an den großen Erzähler, Kämpfer, Gewinner Erasmus Schöfer.

Volker W. Degener

Wettbewerb 2021 für Lyrikerinnen und Lyriker sowie Nachwuchsautorinnen und -autoren aus Nordrhein-Westfalen

Die Gesellschaft für Literatur in NRW sowie der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS NRW) loben 2021, unterstützt vom Land Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Kultur und Wissenschaft, MKW) und der Kunststiftung NRW, zum elften Mal den Wettbewerb postpoetry.NRW“ aus. Gefördert werden soll mit diesem Wettbewerb die Lyrikszene des Landes und besonders die Zusammenarbeit von erfahrenen Lyrikerinnen und Lyrikern mit Nachwuchsautorinnen und -autoren.

 Bewerben können sich bis zum 25. Juli 2021

  • Lyrikerinnen und Lyriker aus NRW (Wohnsitz und/oder Geburtsort), die mindestens eine eigenständige Buchveröffentlichung nachweisen können, sowie
  • Nachwuchsautorinnen und -autoren aus NRW (Wohnsitz und/oder Geburtsort) im Alter von 15-23 Jahren 


mit je drei unveröffentlichten (auch nicht im Netz veröffentlichten) Gedichten sowie einer Kurzbiografie/-bibliografie. Langgedichte sind nicht zugelassen. Die Texte sollten auf einem Postkartenformat Platz finden können. Eine Wiederbewerbung von Preisträgerinnen und Preisträgern der vergangenen Jahre ist erst nach drei Jahren erneut möglich.

Preise werden vergeben in der Kategorie

Lyrikerinnen und Lyriker des Landes Nordrhein-Westfalen:

  • 3 Geldpreise in Höhe von insgesamt 4.500 €. Mit der Auswahl eines Gedichtes verbindet sich:
  • die Gestaltung und Veröffentlichung des Textes als Lyrikpostkarte in hoher Auflage
  • sowie eine honorierte Lesung in den Regionen des Landes Anfang 2022.

 
und in der Kategorie

Nachwuchsautorinnen und -autoren aus Nordrhein-Westfalen

  • 3 Geldpreise in Höhe von insgesamt 900 €
  • 1 zusätzlicher Publikumspreis für eine/n der jungen Autorinnen oder Autoren in Höhe von 450 €. (Die Vergabe erfolgt durch die Anwesenden der Preisverleihung.)
  • jeweils ein Mentoring/ein Workshop mit den erwachsenen Preisträgerinnen und Preisträgern
  • Gestaltung und Veröffentlichung des Gedichtes als Lyrikpostkarte in hoher Auflage
  • voraussichtlich eine honorierte Lesung in den Regionen des Landes Anfang 2022.


Außerdem erhält ein Duo aus Lyrikerin/ Lyriker und Nachwuchsautorin/ -autor die Gelegenheit, in einen poetischen Dialog zu treten und eine gemeinsame Buchveröffentlichung zusammen zu stellen. Die Auswahl des Duos erfolgt nach den Anschlusslesungen durch eine Jury im Jahr 2022.

Verpflichtend ist für die Preisträgerinnen und Preisträger

  • die Teilnahme an einem gemeinsamen Workshop
  • sowie die Anwesenheit bei der Preisverleihung (am 5. November 2021 in der Zentralbibliothek Hamm)

 
Die Urheberrechte für die ausgewählten Gedichte bleiben bei den Autorinnen und Autoren, die sich jedoch mit der Veröffentlichung des Textes auf den postpoetry-Postkarten sowie seiner Verwendung für Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation einverstanden erklären. 

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Einsendung


Teilnehmende Lyrikerinnen und Lyriker aus Nordrhein-Westfalen sowie Nachwuchsautorinnen und -autoren (Alter von 15-23 Jahren) werden gebeten, ihre Einsendung, bestehend aus 

  • 3 anonymisierten, unveröffentlichten Gedichten (mit einem beliebigen Kennwort versehen, das der nachträglichen Zuordnung zur Person dient),
  • 1 Kurzbiografie (mit Geburtsjahr/Geburtsort und Kennwort)
  • der Postanschrift und Telefonnummer und
  • 1 Veröffentlichungsliste (falls vorhanden) in einer E-Mail mit Anhang und versehen mit dem

 
Betreff „postpoetry. – Lyriker NRW“

oder

„postpoetry. – Nachwuchs NRW“

bis zum 25. Juli 2021

an die E-Mail-Adresse postpoetry@litweb.de zu übersenden.

Eine Eingangsbestätigung wird nicht übersandt. Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden im Anschluss an die Jurysitzungen im September im Netz veröffentlicht.

Die zwei am 1. und 2.12.2020 geplanten Abende zum Projekt: “Inklusion für Migranten, Behinderte und andere Randgruppen am Beispiel der Blinden” konnten leider wegen der Pandemiesituation in der ursprünglichen Form nicht stattfinden. Es fand aber am 1. Dezember um 20:00 Uhr, eine Stunde später als im Programm vorgesehen, der Diskussionsteil “Ist die volle Inklusion in Deutschland für die Blinden erreicht?” mit Zitaten einiger blinder Schriftstellerinnen, per Zoom statt. Es diskutierten: die drei blinden Autorinnen Pilar Baumeister (Köln), Bernd Kebelmann (Berlin) und Paula Grimm (Kerken), Frau Dr. Nicol Goudarzi, der Germanist und Kulturvermittler Dr. Roberto Di Bella und das teilnehmende Publikum.

Die Lesung am 2. Dezember im Café Inside fiel aus. Sie wurde aber in der Form einer Audiofassung mit Lyrik und Prosa der drei genannten blinden Autor*innen im Laufe des Dezembers als Ersatz fertig gestellt. Hier ist der Link dazu: https://soundcloud.com/roberto-di-bella-1/lyrik-und-prosa-blinder-schriftstellerinnen-eine-audiolesung

Nach Plänen der Landesregierung soll das WDR-Gesetz u. a. dahingehend geändert werden, dass die Zahl der Sitze im Rundfunkrat reduziert und damit der Sitz des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in NRW trotz seiner aktiven Gremienarbeit gestrichen wird. Der Verband setzt sich nicht nur für ein attraktives Kultur- und Bildungsprogramm beim WDR und in der ARD ein, sondern auch für die Belange kulturinteressierter Menschen aller Altersgruppen, für junge Medien, für eine literarische Bandbreite von Experimenten bis zu Klassikern.
Die geplante Gesetzesänderung macht nach Einschätzung des Landesvorstandes des VS NRW schmerzlich klar, dass die Kultur immer dann, wenn etwas wegfallen soll, als Erstes attackiert wird. Kultur und mit ihr die Literatur sind aber ein wichtiges Fundament dieser Gesellschaft und eine tragende Säule der Demokratie.

Vorrangige Aufgabe der Rundfunkratsmitglieder ist die Aufsicht über Programm und Finanzen des WDR, wobei zugleich eine größtmögliche Vielfalt der Berufsvertreter und Bürgerinnen und Bürger gewahrt werden soll. Während alle künstlerischen Berufe wie Theater, Musik und bildende Kunst vertreten sind, soll die Literatur demnächst außen vor bleiben. Ersetzt werden soll sie durch die IG Metall und IG Bergbau. Offizielle Begründung: Die Änderung trage so der Rolle Nordrhein-Westfalens als Industrieland Rechnung.
Mit dem Wegfall des Sitzes des VS NRW im Rundfunkrat hätte die Literatur, hätten alle literarisch interessierten Bürgerinnen und Bürger dieses Landes keine sichere Vertretung mehr im Aufsichtsratsgremium des WDR, der doch immerhin – auch – ein Kultursender ist (und hoffentlich bleiben wird).
Aufgrund der aktuellen Entwicklungen in den Programmen des WDR und auch durch die geplante Streichung des VS-Sitzes im Rundfunkrat zeigen sich Schriftstellerinnen und Schriftsteller in NRW sowie die Literaturinteressierten des Landes jetzt besorgt:
Droht – mit schwerwiegenden Folgen für Demokratie und Bildung – ein verheerender Kulturabbau in den Medien des “Industrielandes“?

Im Sinne von Kultur, freiem Wort und Literatur und im Auftrage der Bürgerinnen und Bürger in NRW muss der VS NRW deshalb seinen Sitz und seine Stimme im Rundfunkrat des WDR behalten!

Sie ist schon lange dabei und immer mit guten Ideen, im Literaturbetrieb und im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in ver.di. Anlass für einen Rückblick ist ihr Geburtstag am 13. Dezember.
Geboren in Stralsund, lebt Antje seit fast fünf Jahrzehnten im Rheinland, in Bonn. Wie viele Autorinnen und Autoren hat sie bereits als Schulkind ihre Freude am Schreiben entdeckt. Zur Schriftstellerin wurde sie nach ihrem Einstieg in den Zeitungsjournalismus. Bei den Aachener Nachrichten begann sie als Reporterin und Redakteurin, lernte die gründliche Recherche zu schätzen, die sie später als Sachbuchautorin nutzen konnte. Heute kann man sie als profunde Vertreterin des aktuell postulierten konstruktiven Journalismus bezeichnen.
Als Willy Brandt 1978 das Buch „Frauen heute – Jahrhundertthema Gleichberechtigung“ herausgab, hatte Antje Dertinger das Konzept dazu entwickelt und das Werk lektoriert. Das war der Auslöser für ihre Sachbuchkarriere. Entstanden sind 15 Sachbücher mit zeitgeschichtlichem und gesellschaftspolitischem Inhalt, so beispielsweise „Die bessere Hälfte…“, zudem ein Jugendbuch und ein Tatsachenroman.
Antje verfasste vielbeachtete Frauenportraits. Sie schrieb auch über ihre Begegnung mit der Politikerin Elisabeth Selbert, die eine entscheidende Rolle bei der Schaffung unseres Grundgesetzes spielte, aber in der Geschichtsschreibung zu den „vergessenen Frauen“ gehört, obwohl ihr das Verdienst zukommt, dem Gleichheitsprinzip Verfassungsrang verschafft zu haben.
Seit vielen Jahren engagiert sich Antje im VS, nicht nur als schlichtes Mitglied, sondern auch bei Führungsaufgaben. Von April 1998 bis April 2002 und von Mai 2006 bis September 2008 war die jeweils als Landesvorsitzende in NRW tätig, als Doppelspitze zusammen mit Anna Dünnebier oder Harry Böseke. Bisher hat sie so gut wie keine Mitgliederversammlung versäumt, vielmehr erleben wir sie dort als eine meinungsfreudige, kreative Teilnehmerin.
Dass ihr das auch weiterhin möglich sein möge, das wünscht ihr der Landesvorstand und gratuliert ihr herzlich zum Geburtstag.

Volker W. Degener

Ein Stück VS-Geschichte hat er geschrieben, Ludwig Verbeek, der die Bonner Regionalgruppe nicht nur mitbegründete, sondern sie sie jahrelang leitete, zeitweise zusammen mit Karin Hempel-Soos. Leidenschaftlich plädierte er dafür, die deutsche Sprache zu pflegen, den Genitiv nicht zu vergessen und Sätze mit Konjunktiv Präsens zu bilden. Argwöhnisch beobachtete er, wie immer mehr Anglizismen in die deutsche Sprache einzogen. Dabei schätzte Verbeek die englische Sprache sehr; Anglistik gehörte zu seinen Studienfächern, und es machte ihm Freude, Englisch zu unterrichten – vor allem am Abendgymnasium. Dort begegnete er Erwachsenen, die gerne lernten, die den Wert der Bildung erkannt hatten.
Ludwig Verbeek betonte oft, die Literatur und andere Künste müssten bestimmten Maßstäben genügen, die Vielfalt des kulturellen Lebens dürfe nicht in die Beliebigkeit führen. Dafür warb er, dafür stritt er. Auf den Sitzungen der Regionalgruppe Bonn diskutierte er gerne über die Kriterien guter Literatur, wobei die Meinungen weit auseinanderliefen. Nach einem Treffen lobte er in einem Brief die “freundschaftliche verbale Streitkultur”.
Am liebsten stand er vor seinem Publikum, um Gedichte vorzutragen, an denen er immer wieder feilte, bis sie seinen Ansprüchen genügten. So wird er uns in Erinnerung bleiben.

Wir freuen uns sehr, dass unser Mitglied Christian Tielmann den diesjährigen Preuschhof-Preis für Kinderliteratur für sein Buch „Ein Kaugummi für die Mumie“ erhalten hat. Neben der Expertinnen-Jury hat auch wieder eine Kinderjury mitgewirkt, dieses Mal 300 Grundschülerinnen der Hamburger Elbinseln Wilhelmsburg und Veddel. Prämiert wurde das beste Erstlesebuch aus dem Jahr 2019. Zitat aus der Jury-Begründung: „Dass Museumsbesuche und Mumien auch im Erstlesebereich eine attraktive Alternative zu den Standardthemen Pferde und Fußball sein können, zeigt dieses originelle und natürlich angemessen gruselige Erstlesebuch. … Für Mädchen und Jungen gleichermaßen ansprechend – und insbesondere auch für ältere Leseanfänger*innen, die noch nicht so viel Text schaffen, attraktiv.“